Das neue Album von Tori Amos

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Die US-amerikanische Musikerin Tori Amos hat am 1. Mai 2026 ihr neues Album In Times of Dragons veröffentlicht. Es ist ihr 18. Studioalbum. In Deutschland erreichten zwölf ihrer Studioalben die Top 20 der Albumcharts. Ihr bekanntestes Lied dürfte für viele Hörerinnen und Hörer „Cornflake Girl“ sein.

Für eine spirituelle Lesart ist Amos’ Biografie relevant: Sie wuchs als Tochter eines methodistischen Pastors in einem Pfarrhaus auf. Religiöse Sprache, biblische Figuren und der Konflikt zwischen institutionellem Glauben und persönlicher Selbstbehauptung gehören schon lange zu den wiederkehrenden Motiven in ihrem Werk — von frühen Songs wie „Crucify“ bis zu „Mrs. Jesus“ auf dem Album Scarlet’s Walk (2002), in dem Amos Jesu Gang über das Wasser sowie die biblischen Gestalten Johannes, Paulus und Maria in eine offene, vieldeutige Bildsprache überführt. Auch der Albumtitel In Times of Dragons weckt biblische Assoziationen: In Offb 12,3–9 erscheint der Drache als zerstörerische Macht und Gegenspieler des göttlichen Lebens. Für diese apokalyptisch aufgeladenen Zeiten wird im ersten Song des Albums Peter Thiel zur Chiffre: Der Tech-Milliardär wird mit seinem Satz zitiert, er glaube nicht länger daran, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar seien. Im Titellied selbst fällt zudem der Begriff „Dark Enlightenment“ — ein Hinweis auf eine anti-demokratische Gegen-Aufklärung, die Ideale wie Liberalismus, Gleichheit und politische Teilhabe zugunsten autoritärer, technokratischer Machtmodelle infrage stellt.

Schauen wir uns mal drei Songs des neuen Albums etwas genauer an.

Drei Einzelbeobachtungen zu religiösen Bildern

Die folgenden Beobachtungen verstehen sich nicht als Gesamtdeutung des Albums und auch nicht als Behauptung, dass die drei Songs erzählerisch zusammengehören. Es sind drei Einzelbeobachtungen dazu, wie Tori Amos in „St. Teresa“, „Pyrite“ und „Tempest“ religiöse Bilder, Figuren und Symbole verwendet.

1. „St. Teresa“: Teresa von Ávila und die innere Burg

„St. Teresa“ ist eine deutliche Hommage an die Mystikerin Teresa von Ávila. Der Song nennt sie ausdrücklich und greift mehrere Motive auf, die direkt oder indirekt aus Teresas Werk und ihrer mystischen Tradition stammen: die innere Burg, die sieben Wohnungen, das Feuer der göttlichen Liebe, die Wunde, die Nähe zu Gott und die Brautsprache der mystischen Vereinigung.

Besonders naheliegend ist der Bezug zu Teresas Werk Die innere Burg, in dem die Seele als vielräumige Architektur erscheint — als Ort der Prüfung, Vertiefung und göttlichen Begegnung. Die „innere Burg“ und die „sieben Wohnungen“ sind dort zentrale Bilder für den geistlichen Weg nach innen.

Auffällig ist, dass Amos Teresa nicht nur als entrückte Heilige zeigt. Der Song verbindet ihre mystische Bildwelt mit sehr menschlichen Regungen: Scham, Verlangen, Schuldgefühlen und Leidenschaft. Auch das ist nicht völlig fremd gegenüber Teresas Mystik, in der körpernahe Bilder von Wunde, Feuer, Schmerz und göttlicher Berührung eine wichtige Rolle spielen. Amos aktualisiert diese Sprache jedoch deutlich: Das Begehren wird nicht einfach verdammt, sondern als Teil einer verwundeten, aber lebendigen Seele ernst genommen.

Einzelne Bilder, etwa „Gottes Honig“, wirken weniger wie direkte Teresa-Zitate, sondern eher wie Amos’ eigene poetische Verdichtung dieser Bildwelt. Die Frage, ob „Gottes Honig“ Teresas Wunden heilen kann, öffnet eine sanfte, tröstende Vorstellung des Göttlichen: Gott erscheint hier nicht als strafende Instanz, sondern als heilende Gegenwart.

Auch die Bilder von Flammen und Gold lassen sich gut an Teresa anschließen. Sie erinnern an die berühmte mystische Erfahrung der Herzensverwundung, bei der ein Engel mit einem goldenen, feurigen Pfeil oder Speer erscheint. „Kissed by God“ ist wohl weniger ein wörtliches Teresa-Zitat als eine Verdichtung der Brautmystik, die auch in Teresas Deutung des Hohelieds anklingt.

Vorsichtig zusammengefasst: „St. Teresa“ arbeitet sehr direkt mit Teresas mystischer Bildwelt. Viele Motive stammen direkt oder indirekt aus ihrem Werk und werden von Amos in eine heutige Sprache von Verwundung, Begehren und Heilung übersetzt.

2. „Pyrite“: Jesus, Tarot und Schutz in der Krise

„Pyrite“ bewegt sich in einer deutlich anderen religiösen Bildwelt. Der Song verwendet keine geschlossene kirchliche Sprache, sondern mischt verschiedene spirituelle Register: Tarot, christliche Anrufung, Schutzritual, Blut, Dämonen und eine heilkundlich oder schamanisch geprägte Figur.

Schon die erste Strophe führt in eine synkretistische Szene: Eine „High Priestess“ legt Karten, Ace of Cups und The Lovers erscheinen, Blut wird ausgetauscht. Später ist von Dämonen die Rede, von einem „medicine man“ in Kansas und von der Formel „Go with God“. Diese Bilder gehören nicht zu einem einheitlichen religiösen System. Sie stehen nebeneinander und erzeugen eine Atmosphäre von Bedrohung, Suche und Schutz.

Die Zeile „with the help of that sweet Jesus“ klingt dabei nicht nach dogmatischer Lehre, sondern nach unmittelbarer Anrufung. Jesus erscheint als Beistand in einer gefährlichen Situation — nah, praktisch, fast körperlich. Wenn die Sprecherin Schutz schlucken und Geist trinken will, wird Religion nicht nur gedacht oder bekannt, sondern aufgenommen, einverleibt, verinnerlicht.

Das Titelbild Pyrit ist ebenfalls ambivalent. Pyrit, das sogenannte Katzengold, glänzt wie Gold, ist aber keines. Gerade diese Ambivalenz passt zur religiösen Bildwelt des Songs. Was von außen zweifelhaft, uneinheitlich oder nicht orthodox wirkt — Tarotkarten, Schutzrituale, Jesus-Anrufung, medicine man — kann im Inneren dennoch eine reale Wirkung entfalten.

Vorsichtig gesagt: „Pyrite“ zeigt Religion und Spiritualität nicht als reine Lehre, sondern als Sammlung von Zeichen, Anrufungen und Schutzgesten. Der Song fragt weniger, ob diese Mischung theologisch korrekt ist, sondern zeigt, wie in einer bedrohlichen Situation nach Schutz gesucht wird.

3. „Tempest“: St. Cecilia, St. Paul’s und Father George

„Tempest“ ist ein Lied über Angst, Kontrolle und Überwältigung. Der Sturm zieht die Sprecherin hinab — in Atemnot, Panik und Kontrollverlust. Schon die ersten Bilder sind körperlich: Erstickung, rasendes Cortisol, das Gefühl, nicht mehr atmen zu können. Der „Tempest“ ist die Macht, die die Sprecherin zu verschlingen droht.

Die wichtigste religiöse Figur in diesem Song ist St. Cecilia, die Schutzpatronin der Musik. Sie erscheint als warnende Instanz. Ihre Botschaft ist eng mit Stimme und Überleben verbunden: Ohne Stimme kann der eigene Schmerz nicht gehört werden. In einem Song, der von Erstickung und Atemnot handelt, wird Stimme zur existenziellen Gegenkraft.

Besonders stark ist die Formulierung von der „quiet brutality“. Gemeint ist offenbar keine offene, sichtbare Gewalt, sondern eine leisere Form der Zerstörung: Jemand trennt die Sprecherin von sich selbst, isoliert sie innerlich, kontrolliert Körper, Stimme und Wahrnehmung. Auch das Bild der „cathedral“ ist vieldeutig. Es kann auf eine reale religiöse Architektur verweisen, aber ebenso auf einen inneren heiligen Raum: Würde, Identität, Selbstbesitz oder geistige Integrität.

Vorsichtig sollte man mit St. Paul’s umgehen. Der Song nennt offenbar St. Paul’s, also vermutlich einen Ort, eine Kathedrale oder einen symbolisch aufgeladenen Schauplatz. Daraus sollte man nicht zu schnell den Apostel Paulus als eindeutige Figur ableiten. Zwar kann der Name im Hintergrund Assoziationen an kirchliche Ordnung oder Autorität wecken, im Text selbst erscheint St. Paul’s aber zunächst als Ort von Verfolgung, Bewegung und Beobachtung.

Auch Father George bleibt rätselhaft. Er könnte eine konkrete Figur, ein Geistlicher, eine Erinnerung oder eine symbolische Vater-/Priesterfigur sein. Der Song macht das nicht eindeutig. Wichtig ist vor allem, dass er in einem Moment des Aufbruchs auftaucht: „We are leaving“ markiert eine Entscheidung, den Ort der Bedrohung zu verlassen.

Am Ende stehen die „gasoline girls“, die „goodbye girls“ und eine „electric band“. Das klingt nach Bewegung, Verbündung und neuer Energie. Aus Vereinzelung wird Gruppe, aus Angst wird Flucht, aus Flucht wird Musik.

Vorsichtig zusammengefasst: „Tempest“ nutzt religiöse Figuren und Orte nicht eindeutig erklärend, sondern atmosphärisch. St. Cecilia, St. Paul’s und Father George bilden ein offenes religiöses Feld aus Warnung, Autorität, Angst, Flucht und möglicher Selbstbehauptung.

Fazit

Die drei Songs zeigen auf unterschiedliche Weise, wie Tori Amos religiöse Bilder einsetzt. „St. Teresa“ bezieht sich sehr direkt auf Teresa von Ávila und ihre mystische Bildwelt. „Pyrite“ verbindet christliche, magische und esoterische Motive zu einer Suche nach Schutz. „Tempest“ verwendet religiöse Figuren und Orte offener und rätselhafter — in einem Zusammenhang von Angst, Kontrolle und Flucht.


Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)