Das neue Album von "The Format"
Das Albumcover

Das Titellied
Transparenzhinweis: Der folgende Text wurde überwiegend von einer KI verfasst.
"Boycott Heaven", der Titelsong des dritten, am 23. Januar 2026 veröffentlichten Studioalbums von "The Format", einer US-amerikanischen Indie-Rockband aus Arizona, arbeitet mit religiöser Bildsprache, um einen Mechanismus sichtbar zu machen: das menschliche Bedürfnis nach Halt – und die Gefahr, dass dieses Festhalten Menschen und Gegenwart aus dem Blick drängt.
Schon die erste Zeile setzt den Ton: "I will pray to the paper." Wenn "paper" als heilige Schrift – etwa als Bibel – gelesen wird, ist das ein bewusst entzauberndes Bild. Beten richtet sich nicht an ein lebendiges Gegenüber, sondern an Papier, an den Text selbst und seine Autorität. Und während der Blick so ins Buch kippt, werden "the people on the way there" zu "just a distant memory". Die Menschen "auf dem Weg" – Begleiter, Mitmenschen, vielleicht auch die, die Hilfe bräuchten – verschwinden aus der Wahrnehmung. Der Song setzt damit früh einen Akzent: Was als "Weg zum Heil" erscheint, kann ganz real Beziehungen und Mitgefühl ausradieren.
Dann kommt das nächste sakrale Bild: "anoint your sons and daughters with some ancient history." "Anoint" ist eine Weihegeste, etwas wird offiziell und heilig gemacht. "Ancient history" klingt dabei nicht ehrfürchtig, sondern spürbar distanziert: sehr alt, überliefert, schwer – und dennoch wird es als Lösung fürs Heute weitergereicht. Die Weitergabe wirkt weniger wie lebendige Tradition als wie Prägung: Kinder werden mit einer alten Geschichte "gesalbt", also früh auf eine Deutung eingeschworen.
Die Zuspitzung folgt mit einer verdrehten Redensart: "throw the baby with the water." Normalerweise warnt das Sprichwort davor, beim Wegwerfen des Schlechten das Gute zu verlieren. Hier klingt es fast wie eine Handlungsanweisung – als würde "Reinheit" oder "Richtigkeit" so kompromisslos durchgezogen, dass am Ende auch das Wertvolle mit entsorgt wird: Zwischentöne, Zweifel, Menschlichkeit.
Der Refrain macht daraus eine psychologische Schleife: "Holding on to something / letting go of nothing" – und präzisiert das Motiv zugleich: "holding on to something to believe in." Das ist erst einmal sehr menschlich. Man will "etwas, woran man glauben kann" – einen Sinnanker. Aber gleichzeitig "lässt man nichts los": keine Deutungsrahmen, keine Formeln, keine überlieferten Gewissheiten. Der Song klingt dabei nicht wie ein Spottlied über Bedürftigkeit, sondern wie eine Diagnose: Festhalten wird zur Methode, Unsicherheit zu vermeiden.
Im zweiten Vers wird das Private gesellschaftlich: "It's a long line and it bleeds into the pavement." Die lange Schlange ist ein Bild für kollektives Leiden, das in den Alltag "einsickert", bis es auf der Straße sichtbar wird. Dagegen stehen "Sixty-something words to save them from this recent misery": ein paar Dutzend Worte, die Rettung versprechen. In einer religionskritischen Lesart sind das Worte aus der Schrift, Verse, Formeln, Predigtsätze – und der Song stellt das in ein schiefes Verhältnis: reale Misere gegen kurze Formeln, die "retten" sollen. Darauf folgt die bitter-sarkastische Absage: "So ask why ... you will never see the truth." Wer in diesem System nach Wahrheit sucht, bekommt sie nicht zu sehen – oder nur in verzerrter Form; und gerade diese als Wahrheit ausgegebene Deutung kann Schaden anrichten. Denn Wahrheit ist hier nicht neutral: "the many ways in which it's bruised all of the people you knew." Sie erscheint als handelnde Kraft – plausibel als beanspruchte "Wahrheit": Dogmen, moralische Absolutheiten, Sätze, die Menschen markieren und verletzen können (etwa indem bestimmte Lebensweisen als "Sünde" etikettiert werden). Der Song benennt kein Einzelschicksal, aber er legt das Muster frei: eine Wahrheit, die nicht befreit, sondern verwundet.
Die Bridge bricht dann endgültig mit einer bestimmten Logik des Christentums, indem sie dessen zentrales Symbol aufruft: "Lost my motivation, wasn't much for chasing the cross." Das klingt nach Erschöpfung und nach der Weigerung, einem Ideal hinterherzulaufen, das in einigen Formen des Christentums mit Opfer, Unterwerfung und Selbstverleugnung verbunden ist. Und der Song macht den Preis dieser Haltung unmittelbar körperlich: "Holy roller, please / the damage to your knees / is something that cannot be undone." Das Knien – Inbegriff von Hingabe und Gehorsam – wird zur Spur von Verschleiß. Frömmigkeit erscheint nicht als Aufrichtung, sondern als Abnutzung; und das "please" klingt dabei fast mitleidig, als würde der Sprecher jemanden anflehen, aus diesem Muster auszusteigen, bevor es irreparabel wird. Und daraus folgt der Kern: "So boycott Heaven" – "’cause there's gotta be somewhere better, far from the sun." Was mit "sun" gemeint ist, bleibt dabei offen: das wärmende Zentrum des Heilsversprechens, das grelle Licht des Richtens, vielleicht auch schlicht die Hitze einer Idee, die alles verbrennt, was nicht passt. In jedem Fall verschiebt die Zeile den Boykott vom bloßen Nein zur Suchbewegung: weg von der Vertröstung, hin zu einem anderen Ort. "Heaven" steht hier weniger für ein Jenseits als für das Heilsversprechen, das auf später vertröstet. Der Boykott ist der Ausstieg aus genau dieser Vertröstung – besonders, wenn die religiösen Instanzen, die sie predigen, im Hier und Jetzt keine Fürsorge zeigen: "they never, ever gave a fuck about us."
Genau danach kippt der Refrain. Aus "Holding on to something / letting go of nothing" wird "Holding on to nothing / letting go of something" – und damit auch: "holding on with nothing to believe in" als Gegenbild zu jenem früheren Festhalten "to believe in". Das ist der Wendepunkt: weitergehen ohne den alten Sinnanker – und tatsächlich etwas loslassen, das vorher als Rettung galt. Das Outro "Let it go" macht daraus keine Theorie, sondern eine Übung: Loslassen als Handlung, Entkopplung von "paper" und "ancient history", die Halt versprochen haben – und dabei die Menschen "auf dem Weg" zu einer fernen Erinnerung werden ließen.