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Die irische Rockband U2 greift in ihrer neuen Single „The Greatest Show on Earth“ und den dazugehörigen Videos mehrfach auf christliche Bildsprache zurück. Das am 15. Oktober veröffentlichte Stück ist die dritte Single aus dem neuen Album „Carnaval De Luz“, das am 13. November erscheinen soll. U2 beschreiben den Song als Geschichte von Liebenden, die darum kämpfen, den Glauben aneinander und den Glauben selbst zu bewahren.
Im Liedtext ist von einem Gebet, einer Hochzeitsmesse, einem Altar und einer Kirche die Rede. „Is this a church of love or fear? / Have we made God feel like a stranger here?“ („Ist dies eine Kirche der Liebe oder der Angst? / Haben wir Gott hier wie einen Fremden fühlen lassen?“), heißt es darin. An anderer Stelle singt Bono von „cathedrals of our hurt“, Kathedralen des Schmerzes.
Das von Anton Corbijn gedrehte Musikvideo entstand in der kalifornischen Wüste. Nach Angaben von U2 stellt es die Band satirisch als religiösen Kult dar, in dem Frauen die schwere Arbeit leisten. Zu sehen sind unter anderem ein großes leuchtendes Kreuz, eine Kniebank sowie Frauen, die Gegenstände durch die Wüste zur Bühne tragen. Eine von ihnen trägt dabei ein Kreuz.
Eine weitere Szene zeigt Bono neben einer Frau an einer Kniebank; die Frau trägt ein langes helles Kleid mit Schleppe. Zudem hält eine Frau ein spitzbogiges Buntglasfenster über ihrem Kopf. Das Fenster ist das einzige farbige Element des ansonsten schwarzweißen Videos. Kreuz, Kniebank und Buntglasfenster greifen damit Motive auf, die auch im Liedtext genannt werden.
Auch das offizielle Lyric-Video zu „The Greatest Show on Earth“ verwendet christliche Bildsprache. Über einem Glockengiebel mit Kreuz erscheint das Händemotiv aus Michelangelos Fresko „Die Erschaffung Adams“ in der Sixtinischen Kapelle. In einer weiteren Szene wird vor einem Kircheninnenraum mit Orgel ein goldenes Kreuz von oben ins Bild gelassen. Die Darstellungen sind von einem rot-goldenen Theatervorhang gerahmt.
Religiöse Bezüge finden sich auch in den beiden zuvor veröffentlichten Singles des Albums. „Street of Dreams“, die am 7. Juli erschien, wird von einem Gebet eingerahmt. Der Song beginnt mit den Worten „God hear me shout / Lend your ear to my prayer“ („Gott, höre meinen Ruf / Schenke meinem Gebet Gehör“) und endet erneut mit einer Anrufung Gottes: „God hear me shout and you'll heed to my prayer“.
Auch die zweite Single „Silencio“, die U2 am 24. September veröffentlichten, verwendet zahlreiche christliche Motive. Eine Zeile über „Mary Mama“, der ein Engel eine Entscheidung anbietet, verweist auf die Verkündigung an Maria durch den Engel Gabriel (Lk 1,26-38). Das offizielle Lyric-Video zeigt dazu eine Marienfigur mit dem Jesuskind und einem Strahlenkranz. Zur folgenden Zeile „My son is listening if you got no voice“ („Mein Sohn hört zu, wenn du keine Stimme hast“) erscheint die Christusstatue Cristo Redentor in Rio de Janeiro.
Der im Text angesprochene „Jesus of Rio“ wird im Lyric-Video mehrfach in Gestalt des Cristo Redentor eingeblendet; die Christusstatue bildet auch das letzte Bild des Videos. Weitere Einstellungen zeigen Jesus mit Dornenkrone und Blutspuren an der Stirn sowie zur Erwähnung des „devil“ eine gehörnte Teufelsfigur. Zur trinitarischen Formel „Father, Son and the Holy Ghost“ („Vater, Sohn und Heiliger Geist“) erscheint ein Kruzifix. Zur abschließenden Wendung „Campo de Cristo de silencio“ zeigt das Video zum Gebet gefaltete Hände. Die Bedeutung dieser ungewöhnlichen Formulierung erläutern U2 nicht.
„Carnaval De Luz“ ist das 16. Studioalbum von U2 und das erste Album der Band mit neuem Material seit neun Jahren.